Geschichte

Stabi. 1890In seiner heutigen Form ist der Holländische Schäferhund seit Beginn des 18. Jahrhunderts bekannt. Damals kamen mit holländischen Siedlern Schäferhunde aus Holland nach Australien , wo sie im Aufbau der australischen Schäferhunde (Kelpie und Cattle Dog) mitgewirkt haben.
Zuchtzentrum in Holland war damals Noord - Brabant. Noch vor etwas mehr als 100 Jahren bedeckten große Heidegebiete die Provinz Noord - Brabant. Die Heide reichte im Süden über die belgische Grenze hinaus nach Kempen und im Osten in die Provinz De Peel hinein. Es gab große Heidegebiete in Mittel - und Nord - Limburg, in der Veluwe und im t'-Gooi. Große Heidegebiete gab es ebenfalls in Achterhoek, in Overijssel und in Drenthe, In diesen Heidegebieten waren große und kleinere Schafherden mit ihren Hirten und Hunden unterwegs. Man nimmt an, dass fier um die 1860 insgesamt 800 000 Schafe geweidet haben. Dazu gab es Schafherden in den Dünen, da diese sonst kaum anderweitig genutzt werden konnten.
In den ausgedehnten Heidegebieten lagen die Dörfer, wie es der Schriftsteller Harn Tiesig aus D
Kurzhaariger Holländischer Schäferhund um 1906renthe einmal anschaulich formuliert hat, "wie Inseln auf dem Meer".
Damit die kostbaren Äcker nicht von den Schafen beschädigt wurden, legten die Bauern Erdwälle an, die mit Eichenbohlen verstärkt wurden. Doch selbst diese Erdwälle vermochten die Schafen nicht am Ausbrechen zu hindern; dies zu verhindern, dazu war der Schäferhund da. Auf das Kommando "Los Siep" und einen Fingerzeig in die Richtung, wo sich die Schafe daran machten, einen Erdwall zu überklettern, sauste der Hund los und trieb die Ausbrecher wieder zur herde zurück. Die Schafe warteten gar nicht erst ab, bis "sip" seine Zähne gebrauchte. Eine gute Beschreibung der Arbeit dieser Hunde vermittelte uns A.L. Lesturgeon im Jahre 1870 in seiner Schrift "De Drebthsche Scheper. De oude Tijd." In Drenthe bezeichnete man üblicherweise jeden Herdenhund als "Siep". das Wort "Siep" hängt mit dem Tätigkeitswort "siepelen" oder "sijpelen" zusammen, was soviel bedeutet wie "Wasser strömen". Die Hirtenhunde trugen oft die Namen von Wasserläufen. In Drenthe hieß "Siep" Strom, und wenn der Hund den Namen eines Gewässers trug,
Kurzhaariger Holländischer Schäferhund um 1906 so sollte ihn dies vor allen bösen Geistern beschützen. Solche Namen kamen auch im angrenzenden Deutschland und in Belgien vor.
Die Arbeit der Hirtenhunde beschrieb uns, neben dem schon genannten Lesturgeon auf anschauliche Weise auch der Schriftsteller J. Craandijk aus Drenthe. Etwas frei übersetzt lautet sein Bericht aus dem jahre 1881 ungefähr so: "mitten im Schafgeblöke wandert der Hirte gemütlich, von Zeit zu Zeit ein Wort zu seinem rauhaarigen Diener sprechend, der unverdrossen seine Arbeit tut. Er jagt die zurückbleibenden Schafe zur Herde und die Lämmer spornt er zum Vorwärtsgehen an. Wir gehen mitten durch die Herde. Die Schafe nehmen nicht die geringste Notiz von unserer Gegenwart. Der Hund wechselt einen Blick mit seinem Meister, gleichsam um ihn zu fragen, ob er uns vorbeilassen dürfte. Der Hirte beantwortet unseren Griß kurz, aber nicht unwirsch."
Wie geschickt ein Schäferhund mit den Schafen umgehen konnten, schildert uns ebenfalls J. Eigenhuis im Jahre 1905 in einer Artikel-Serie unter dem Titel "De Wereld". In seiner Erzählung begibt
Sheep, 1890 sich ein Pfarrer mit seinen Kindern frühmorgens in das Dorf Schipbork in der Provinz Drenthe. Da sehen sie, wie der Dorfhirte durchs Dorf geht, grell durch die Finger pfeift und so das Zeichen gibt, dass die Dorfbewohner ihre Schafe aus den Ställen lassen sollen. In Drenthe wurde der Schafhirte von der Dorfgemeinschaft angestellt und entlohnt, er musste deshalb früh am Morgen sämtlich Schafe übernehmen und sie abends wieder heil zurückbringen . Weideland war die gemeindeeigene Heide. Der Hund des Dorfhirten wrde hier allgemein "Siep" genannt.
In Drenthe und in t'-Gooi standen die Schäfer in hohem Ansehen, oft waren sie ja auch kräuterkundige Männer, die von Bauern als "Viehdoktoren" um Rat gefragt wurden. In anderen Gebieten der Niederlande war das jedoch anders. Hier waren die Schäfer häufig von einem Bauer angestellt und der Lohn war sehr klein und reichte kaum zum Leben. Wir würden sie heute als "Randgruppe" der d
Fram, 1890örflichen Gemeinschaft bezeichnen, eine Randgruppe von der kaum gesprochen wurde. In höherem Ansehen als der Schäfer stand oft der Hund: "So faul der Hirte auch ist, um so schneller und fleißiger ist sein Hund" schreibt z.B. van Dam.
Bedenkt man die kärglichen Lebensumstände der Schäfer , so mag es kaum wundern - und es wird denn auch immer wieder
darauf hingewiesen -, dass der Hund nicht nur Hüte - und Wachhund war, sondern dem Schäfer auch half, den kargen Speisezettel etwas aufzubessern, indem er ihm beim Wildern half. Auch heute noch verfügen viele Schäferhunde (nicht nur die holländischen) über eine nicht geringen Jagdtrieb. So oder so, sei es als Schafhüter und Schaftreiber, sei es als Wächter oder als Helfer beim Wildern, an einen guten Schäferhund wurden hohe Ansprüche gestellt.
In Brabant hieß der Hund häufig "Spits". Beides "Spits" und "Siep", waren Eigennamen für einen Hund und keine Rassenbezeichnung.
Es gab in den Niederlanden neben dem "Schafpudel", dem Schaependoes, bei den Schäfern in den großen Heidegebieten noch einen Schäferhund, der große Ähnlichkeit mit dem belgischen S´chäferhund hatte und von diesem auch kaum zu trennen war.

Text entnommen aus dem Buch "Enzyklopädie der Rassehunde" von Hans Räber Band 1; Kosmos Verlag
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