Geschichte
In seiner heutigen
Form ist der Holländische Schäferhund seit Beginn des 18.
Jahrhunderts bekannt. Damals kamen mit holländischen Siedlern
Schäferhunde aus Holland nach Australien , wo sie im Aufbau der
australischen Schäferhunde (Kelpie und Cattle Dog) mitgewirkt
haben.
Zuchtzentrum in Holland war damals Noord - Brabant. Noch vor
etwas mehr als 100 Jahren bedeckten große Heidegebiete die
Provinz Noord - Brabant. Die Heide reichte im Süden über die
belgische Grenze hinaus nach Kempen und im Osten in die Provinz
De Peel hinein. Es gab große Heidegebiete in Mittel - und Nord -
Limburg, in der Veluwe und im t'-Gooi. Große Heidegebiete gab es
ebenfalls in Achterhoek, in Overijssel und in Drenthe, In diesen
Heidegebieten waren große und kleinere Schafherden mit ihren
Hirten und Hunden unterwegs. Man nimmt an, dass fier um die 1860
insgesamt 800 000 Schafe geweidet haben. Dazu gab es Schafherden
in den Dünen, da diese sonst kaum anderweitig genutzt werden
konnten.
In den ausgedehnten Heidegebieten lagen die Dörfer, wie es der
Schriftsteller Harn Tiesig aus D
renthe einmal anschaulich
formuliert hat, "wie Inseln auf dem Meer".
Damit die kostbaren Äcker nicht von den Schafen beschädigt
wurden, legten die Bauern Erdwälle an, die mit Eichenbohlen
verstärkt wurden. Doch selbst diese Erdwälle vermochten die
Schafen nicht am Ausbrechen zu hindern; dies zu verhindern, dazu
war der Schäferhund da. Auf das Kommando "Los Siep"
und einen Fingerzeig in die Richtung, wo sich die Schafe daran
machten, einen Erdwall zu überklettern, sauste der Hund los und
trieb die Ausbrecher wieder zur herde zurück. Die Schafe
warteten gar nicht erst ab, bis "sip" seine Zähne
gebrauchte. Eine gute Beschreibung der Arbeit dieser Hunde
vermittelte uns A.L. Lesturgeon im Jahre 1870 in seiner Schrift
"De Drebthsche Scheper. De oude Tijd." In Drenthe
bezeichnete man üblicherweise jeden Herdenhund als
"Siep". das Wort "Siep" hängt mit dem
Tätigkeitswort "siepelen" oder "sijpelen"
zusammen, was soviel bedeutet wie "Wasser strömen".
Die Hirtenhunde trugen oft die Namen von Wasserläufen. In
Drenthe hieß "Siep" Strom, und wenn der Hund den Namen
eines Gewässers trug,
so sollte ihn dies vor allen bösen
Geistern beschützen. Solche Namen kamen auch im angrenzenden
Deutschland und in Belgien vor.
Die Arbeit der
Hirtenhunde beschrieb uns, neben dem schon genannten Lesturgeon
auf anschauliche Weise auch der Schriftsteller J. Craandijk aus
Drenthe. Etwas frei übersetzt lautet sein Bericht aus dem jahre
1881 ungefähr so: "mitten im Schafgeblöke wandert der
Hirte gemütlich, von Zeit zu Zeit ein Wort zu seinem rauhaarigen
Diener sprechend, der unverdrossen seine Arbeit tut. Er jagt die
zurückbleibenden Schafe zur Herde und die Lämmer spornt er zum
Vorwärtsgehen an. Wir gehen mitten durch die Herde. Die Schafe
nehmen nicht die geringste Notiz von unserer Gegenwart. Der Hund
wechselt einen Blick mit seinem Meister, gleichsam um ihn zu
fragen, ob er uns vorbeilassen dürfte. Der Hirte beantwortet
unseren Griß kurz, aber nicht unwirsch."
Wie geschickt ein Schäferhund mit den Schafen umgehen konnten,
schildert uns ebenfalls J. Eigenhuis im Jahre 1905 in einer
Artikel-Serie unter dem Titel "De Wereld". In seiner
Erzählung begibt
sich ein Pfarrer mit seinen Kindern
frühmorgens in das Dorf Schipbork in der Provinz Drenthe. Da
sehen sie, wie der Dorfhirte durchs Dorf geht, grell durch die
Finger pfeift und so das Zeichen gibt, dass
die Dorfbewohner ihre Schafe aus den Ställen lassen sollen. In
Drenthe wurde der Schafhirte von der Dorfgemeinschaft angestellt
und entlohnt, er musste deshalb früh am Morgen sämtlich Schafe
übernehmen und sie abends wieder heil zurückbringen . Weideland
war die gemeindeeigene Heide. Der Hund des Dorfhirten wrde hier
allgemein "Siep" genannt.
In Drenthe und in t'-Gooi standen die Schäfer in hohem Ansehen,
oft waren sie ja auch kräuterkundige Männer, die von Bauern als
"Viehdoktoren" um Rat gefragt wurden. In anderen
Gebieten der Niederlande war das jedoch anders. Hier waren die
Schäfer häufig von einem Bauer angestellt und der Lohn war sehr
klein und reichte kaum zum Leben. Wir würden sie heute als
"Randgruppe" der d
örflichen Gemeinschaft bezeichnen,
eine Randgruppe von der kaum gesprochen wurde. In höherem
Ansehen als der Schäfer stand oft der Hund: "So faul der
Hirte auch ist, um so schneller und fleißiger ist sein
Hund" schreibt z.B. van Dam.
Bedenkt man die kärglichen Lebensumstände der Schäfer , so mag
es kaum wundern - und es wird denn auch immer wieder darauf hingewiesen
-, dass der Hund nicht nur Hüte - und Wachhund war, sondern dem
Schäfer auch half, den kargen Speisezettel etwas aufzubessern,
indem er ihm beim Wildern half. Auch heute noch verfügen viele
Schäferhunde (nicht nur die holländischen) über eine nicht
geringen Jagdtrieb. So oder so, sei es als Schafhüter und
Schaftreiber, sei es als Wächter oder als Helfer beim Wildern,
an einen guten
Schäferhund wurden hohe Ansprüche gestellt.
In Brabant hieß der Hund häufig "Spits". Beides
"Spits" und "Siep", waren Eigennamen für
einen Hund und keine Rassenbezeichnung.
Es gab in den Niederlanden neben dem "Schafpudel", dem
Schaependoes, bei den Schäfern in den großen Heidegebieten noch
einen Schäferhund, der große Ähnlichkeit mit dem belgischen S´chäferhund
hatte und von diesem auch kaum zu trennen war.
Text entnommen aus dem Buch
"Enzyklopädie der Rassehunde" von Hans Räber Band 1;
Kosmos Verlag
© Copyright des Textes by Hans Räber